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Rechenstörung: die Kerndefizithypothese
25. November 2017 0 Kommentare
abakus

Die Kerndefizithypothese der Rechenstörung

Im Bereich einer LRS geht man davon aus, dass phonologische Defizite zur Beeinträchtigung des Schriftspracherwerbs führen. Dies gilt als Kerndefizit. Auch im Bereich der Rechenstörung diskutiert man analog dazu ein solches Kerndefizit. Man geht dabei von zwei Kernsystemen numerischer Verarbeitung aus, die auf kognitiven Prozessen und Funktionen sowie deren neuroanatomischen Verankerung basieren. Diese Kernsysteme sind nicht Ergebnisse individueller Lernprozesse, sondern sind als Mechanismen bereits bei Säuglingen nachweisbar und werden allgemein als Zahlensinn des Menschen verstanden.

Die Kernsysteme:

 

Dieser Ansatz stammt von Dehaene (1995) und ist in Forschung und Praxis besonders nachhaltig. Dieses Modell geht von drei funktional unabhängigen Repräsentationsformaten numerischer Inhalte bzw. Codes aus. Dazu gehört ein visuell-arabisches Repräsentationsformat, das für die Verarbeitung von Ziffern und Ziffernfolgen zuständig ist. Analog zum visuellen Wortform-Areal, das beim Leseprozess entscheidend ist, wird eine Funktionalität angenommen, die auf die Verarbeitung primär visueller Zahlenformate spezialisiert ist. Der zweite Code bezieht sich auf verbal vermittelte numerische Repräsentationsformate. Dieser Bereich wird mit der Speicherung und dem Abruf mathematischen Faktenwissens in Zusammenhang gebracht, beispielsweise die verbale Wiedergabe des Einmaleins. Der dritte Code wird als Mentaler Zahlenstrahl bezeichnet, welcher Zugriff auf die Semantik von Zahlen erlaubt.

 

Subitizing beschreibt die Fähigkeit des Menschen, Mengen von bis zu vier Objekten unmittelbar und exakt zu erfassen, ohne dabei auf Zählprozesse zurückzugreifen.

 

Die Kerndefizithypothese geht nun davon aus, dass Defizite im Bereich des mentalen Zahlenstrahls vorliegen. Obwohl Forscher davon ausgehen, dass Rechenstörungen auch in Bezug auf Defizite im Bereich des Subitizing zu erklären sind, liegen tatsächlich nur wenige gesicherte Belege dafür vor.

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